Astrofotografie mit Low End-Digitalkamera

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Von Klaus Mödinger
September 1998
 
Einführung    Teleskope    Sonne    Mond    Venus    Mars    Jupiter    Saturn   

Einführung

Am 21.09.1998 erwarb ich eine Digitalkamera im Supermarkt. Es ist die Agfa ePhoto 307. Wer sich ein Bild von dem Gerät machen möchte, kann sich den Splash-Screen der mitgelieferten Bildverarbeitungssoftware "Photowise" ansehen.

Einen Screenshot der Photowise-Software (ca. 100 KB) gibt es hier. Für Linux gibt es ebenfalls Softwarelösungen. GPhoto ist ein GNU-Programm, das wunderbar mit der Agfa-Kamera funktioniert. Es läuft bei mir unter GNOME, kann aber - vorausgesetzt, die nötigen Libraries sind installiert - ebensogut unter KDE oder einer anderen Desktop-Oberfläche ausgeführt werden. Auch von GPhoto habe ich einen Screenshot (ca. 100 KB) auf diese Seite gelegt.

Die Kamera erlaubt die Aufnahme von 36 Bildern im Format 640x480 Pixel oder 72 Bildern im Format 320x240. Für die 349.- DM, die mich der Apparat gekostet hat, hätte ich eine durchaus ordentliche, "herkömmliche" Sucherkamera mit Motor, Belichtungsmessung, Autofokus und anderen Goodies erstehen können. Im Digitalkamera-Sektor bedeutet diese Geldausgabe jedoch den Erwerb eines Fotoapparates am unteren Qualitätsende.
Bücherregal Meine Erwartungen waren daher nicht allzu hoch und wurden deswegen auch nicht enttäuscht. Das Beispielfoto zeigt einen Teil eines Bücherregals. Wie man sieht, müssen die Buchtitel auf den Bücherrücken schon hübsch groß sein um noch einwandfrei lesbar zu bleiben. Mir war klar, daß die ePhoto 307 keine Konkurrenz für das Hubble-Teleskop werden könnte, aber ich war trotzdem sehr neugierig, was sich wohl an Sonne, Mond und Planeten mit dieser Kamera ausrichten lassen würde.

 


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Teleskope

Die Astrofotos mit der ePhoto 307 entstehen durch simples Hinhalten des Kameraobjektives an das Okular eines Teleskops. Dazu stehen mir die folgenden Instrumente zur Verfügung: Ein Vixen Sirius 50L (Refraktor 50/800) und ein Meade Explorer 395 (Refraktor 90/1000).

Vixen Sirius 50L Meade Explorer 395

 


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Sonne

Ab dem 21.09.1998 versuchte ich mich an ersten Aufnahmen der Sonne, die eine respektable Aktivität zeigte. Als Aufnahmeinstrument diente mein altgedientes Vixen Sirius 50L, ein kleiner Refraktor mit 50 mm-Objektiv und 800 mm Brennweite. Ich verwendete ein Okular, das ich aus einem alten 8x20 Taschenfernglas ausgebaut hatte. Dieses Okular passte recht gut an das Kameraobjektiv. An viele andere Okulare, vor allem an die Standard-1,25"-Typen, läßt sich die Kamera nicht bündig ansetzen. Das Fernglasokular liefert am Vixen-Refraktor eine ca. 80-fache Vergrößerung. Die sehr unbefriedigende Montierung des Teleskops erfordert viel Geduld und eine ruhige Hand beim Hinhalten der Kamera an das Fernrohrokular. Wenn die Kamera auf automatische Belichtungszeit eingestellt ist, werden die Bilder hoffnungslos überbelichtet. Die besten Ergebnisse erzielte ich bei manuell ausgeschaltetem Blitz und einer Belichtungszeit von 1/250 Sekunde. Die unteren Bilder zeigen Beispielaufnahmen:

Sonne am 21.09.1998 (201 KB)  Fleckengruppe vom 24.09.1998 (6 KB)  Sonnenrand am 27.09.1998 (84 KB)

Sonne am 21.09.1998 (linkes Bild), Fleckengruppe am 24.09.1998 (mittleres Bild) und Sonnenrand am 27.09.1998. Aufgenommen mit Agfa ePhoto 307 am Okular eines Vixen Sirius 50L. Die große Fleckengruppe auf dem rechten Bild war bei Verwendung entsprechender Blendgläser mit bloßem Auge sichtbar. Auf dem rechten Bild erkennt man Fackelgebiete.
Sonnenrand am 02.10.1998 (13 KB) Ein letzter Blick auf die prächtige Fleckengruppe, fotografiert am 02.10.1998. Instrument: Meade Explorer 395, 100-fache Vergrößerung. Die Fackeln sind schön zu erkennen.

 


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Mond

Mond am 23.09.1998 (10 KB)  Mond am 24.09.1998 (27 KB)  Mond am 28.09.1998 (46 KB)

Die Mondfotos entstanden am Okular meines Meade Explorer 395. Ich verwendete das im Standardzubehör enthaltene MA-Okular mit 25 mm Brennweite, welches am Explorer eine 40-fache Vergrößerung ergibt. Für das Bild ganz rechts (Mond im Ersten Viertel) befestigte ich das Okular behelfsmäßig mit Tesa-Krepp am Kameragehäuse, was für mich eine wesentliche Erleichterung bedeutete. Ich brauche unbedingt eine vernünftige Halterung...
Mond am 05.10.1998 (131 KB) Der Mond am 05.10.1998, kurz vor Vollmond. Meade Explorer 395, MA-Okular 25 mm, Belichtungszeit 1/125 Sekunde. Die Grenzen der ePhoto 307 werden sichtbar: Das Bild läßt eine ähnliche "Rauhigkeit" erkennen, wie das Beispielfoto des Bücherregals ganz oben, unter Einführung. Einige der Strahlen, die vom Krater Tycho ausgehen, sind schön erkennbar. Ein leichter Wolkenschleier vor dem Mond verminderte etwas den Kontrast der Aufnahme.
Mond am 26.04.1999 (38 KB) Am 26.04.1999, um 01.00 Uhr entstand diese Aufnahme des Mondes, die das Mare Imbrium zeigt. Hier verwendete ich das 25 mm-MA-Okular zusammen mit der 2x-Barlow #126. Die Belichtungszeit war 1/60 Sekunde. Der größere Krater etwa in der Bildmitte ist Archimedes, im Norden erkennt man die Alpen, im Süden die Apenninen. Links unten im Bild Kopernikus, nördlich davon die Karpaten. Mond am 26.04.1999 (86 KB) Ein weiteres Mondfoto vom 26.04.1999, hier mit 25mm-MA-Okular bei 40-facher Vergrößerung. Die Belichtungszeit betrug 1/125 Sekunde.
Mond am 27.04.1999 (92 KB) Einen Teil des Mare Nubium und das Mare Humorum mit der auffälligen Wallebene Gassendi (links oben) zeigt das linke Bild vom 27.04.1999, das mit einem 10 mm-Okular + 2x-Barlow am Meade Explorer 395 entstand. Belichtet wurde mit 1/60 Sekunde; ein Tribut an die Luftunruhe, der das Bild etwas dunkel werden ließ. Bei 200-facher Vergrößerung sind bereits relativ kleine Details - wie etwa Gassendis Zentralberge - erkennbar. Gassendi erinnert an einen Ring, dessen "Edelstein" Gassendi A ist, ein Krater mit 33 km Durchmesser. Mond am 27.04.1999 (163 KB) Noch ein Foto vom 27.04.1999. 10 mm-Okular, 100-fache Vergrößerung. Immer wieder faszinierend sind die Strahlen, die von Tycho ausgehen.
Mond am 29.04.1999 (106 KB) Der Südwestrand des Oceanus Procellarum und das Mare Humorum sind auf dem linken Foto zu sehen. Meade Explorer 395, 10 mm-Okular und 2x-Barlow. 1/30 Sekunde belichtet. Mond am 30.04.1999 (59 KB) Der fast volle Mond am 30.04.1999. 25 mm MA-Okular, 1/60 Sekunde Belichtungszeit. Das Vorschaubild links ist diesmal keine kleiner gerechnete Version des Originalbildes, sondern ein Schnappschuß durch das Sucherfernrohr. :-)
Mond am 05.10.2000 (84 KB) Das erste Mondfoto im Jahr 2000, aufgenommen am 10. Mai um 22.15 Uhr. Ich war zu faul, den großen Explorer 395 herumzuschleppen. Das Foto entstand daher am Vixen Sirus 50L (Refraktor 50/800), 10 mm-Okular, 1/30 Sekunde belichtet.
Mondfoto mit Nikon Coolpix 950 Dieses Foto passt eigentlich nicht in die "Low End-Serie". Es wurde mir freundlicherweise von Hans-Joachim Stolzenberg zur Verfügung gestellt und soll demonstrieren, was mit zeitgemäßerer Technik machbar ist. Der Fotograf verwendete ein C8 und die Nikon Coolpix 950. Hans-Joachim Stolzenberg schreibt zu seinem Foto:

Die Kamera wird zur Zeit bei Media in Mainz und in Braunschweig für 1666,-DM angeboten. Bei http://www.primustronix.de kostet sie 1649,- plus Versand. Für mich ist das Teil ein kleines technisches Wunderwerk. Das Gute daran ist, daß sie ein schwenkbares Objektiv mit einem Filtergewinde hat. Damit kann man die Kamera am Teleskop befestigen und dann den LCD-Bildschirm so schwenken, daß man immer einen guten Blick auf das Bild hat. Für die Befestigung am C8 habe ich mir jetzt eine stabile Befestigung drehen lassen. Damit kann ich verschiedene Okulare vor der Kamera ausprobieren. Das anhängende Foto ist mit einem 25mm Okular aufgenommen. Der zunehmende Mond war genau am 1.Viertel angekommen. Der Krater Archimedes im Mare Imbrium ist noch nicht sichtbar. Man kann in Bildmitte die beiden Rillen Hyginus und Ariadaeus erkennen. Bei der Beobachtung selbst habe ich sogar die Triesneckerrillen erkennen können. Im Bild sind sie durch das schlechte Seeing nicht sichtbar. Zur besseren Orientierung habe ich ein paar Namen an die Objekte geschrieben. Jetzt im Sommer ist das Seeing ja besonders schlecht. Ich hoffe, daß im Winter die Bildqualität noch um Faktoren besser wird. Für den Anfang bin ich jedenfalls erstmal zufrieden.


Da das Foto in seiner Originalgröße von 1200x1600 Pixeln über 300 KB groß ist, steht es hier in mehreren Versionen zur Auswahl:

 


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Venus

Venus am 02.05.1999 Auch Venus blieb nicht von meinen Fotografierversuchen verschont. Das linke Bild entstand am 02.05.1999, um 22.00 Uhr, mit folgender Optik: Meade Explorer 395, Barlow #126 (2x), Okular 10 mm. Bei 200-facher Vergrößerung und einer effektiven Brennweite von 8,6 Metern ist immerhin die Phase recht deutlich auszumachen. Belichtet habe ich mit 1/125 Sekunde; Helligkeit und Kontrast des Photos wurden mit einer Bildbearbeitungssoftware leicht erhöht.

 


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Mars

Mars am 10.04.1999 Diese Mars-Fotografie entstand am 10.04.1999, um 03.30 Uhr, mit folgender Optik: Meade Explorer 395, Barlow #126 (2x), Zenit-Prisma, MA-Okular 25 mm. Diese Anordnung ergibt am Explorer eine 120-fache Vergrößerung. Belichtet wurde mit 1/15 Sekunde; ansonsten lief alles wie bei den Jupiter-Aufnahmen. Viel erkennen läßt das Foto nicht. ;-( Der geneigte Betrachter muss mir einfach glauben, daß die Details, die sich erahnen lassen, beim direkten Blick durch's Okular sehr deutlich zu erkennen waren. ;-) Mars am 03.05.1999 Deutlich besser ist dieses Mars-Foto von 03.05.1999. Nach längerer Pause war das Seeing wieder einmal gut genug, um im 90/1000-Refraktor Oberflächenstrukturen auf Mars zu erkennen. Das Bild ist leider nur ein müder Abklatsch vom Eindruck direkt am Okular.

 


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Jupiter

Jupiter am 27.09.1998 Am 27.09.1998 um 02.00 Uhr morgens entstand diese Aufnahme an meinem Meade Explorer 395 bei ca. 100-facher Vergrößerung. Meine ersten Versuche auf dem Balkon ohne ständige Verbindung Kamera-PC waren erfolglos. Von 36 Aufnahmen waren 36 verwackelt. Also schleppte ich das Fernrohr in mein Büro, peilte Jupiter durch das offene Fenster an und verband die Kamera mit dem PC. Die Kamera-Steuerungssoftware kann ein Kontrollfenster darstellen, in dem das, was die Kamera sieht, ca. alle 3 Sekunden aktualisiert wird; die Auslösung geschieht per Mausklick. Auf diese Weise bekam ich das Verwackelungsproblem einigermaßen in den Griff. Die linke Hand hielt die Kamera ans Okular, mit der rechten Hand betätigte ich per Maus den Kameraverschluß, wenn das Kontrollbild halbwegs scharf erschien. Eine fummelige Angelegenheit. Ich vermisste schmerzlich eine Kamera-Halterung. Außerdem sind die vier Mignon-Zellen in diesem Modus in kurzer Zeit am Ende, das optional zur Kamera erhältliche Netzteil ist im "Daueraktualisierungs-Modus" dringend empfehlenswert.
Die Luftunruhe war trotz Beobachtung durch das offene Fenster besser als das Foto vermuten läßt. Immerhin sieht man auf der Aufnahme die beiden Haupt-Äquatorialbänder und die Abplattung des Planeten recht deutlich.
Jupiter am 30.09.1998 Eine weitere Jupiteraufnahme, diesmal vom 30.09.1998, 02:00 Uhr, Eckdaten wie oben. Die einzige Nachbearbeitung bestand in der Konvertierung in Graustufen. Wer sich jetzt wundert, wo die Monde geblieben sind: Bei der verwendeten Belichtungszeit von 1/30 Sekunde sind sie schlicht zu lichtschwach, um noch abgebildet zu werden. Bei 1/8 Sekunde kommen die Monde zwar halbwegs mit auf das Bild, aber die Planetenscheibe ist dann untragbar überbelichtet...

Wer bessere Jupiteraufnahmen sehen möchte, dem sei ein Blick auf die Fotos von Todd Gross empfohlen.

 


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Saturn

Saturn am 30.09.1998 Saturn, fotografiert am 30.09.1998, um 04.00 Uhr am Okular meines Meade Explorer 395 bei 100-facher Vergrößerung. Belichtungszeit 1/15 Sekunde. Die Luftunruhe war außergewöhnlich schlecht. Ich hoffe darauf, nochmals eine bessere Nacht zu erwischen, in der ich mit der Vergrößerung auf 200x gehen kann. Die Aufnahme ist das unbearbeitete Original, um 150 % vergrößert. Das Foto ist das einzig halbwegs vorzeigbare aus einer Reihe von ca. 30 Aufnahmen.

 


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